Rastanlagen an den Bundesautobahnen

Rastanlagen an Straßen und Autobahnen leisten einen unschätzbaren Beitrag zur Verkehrssicherheit. Welcher Autofahrer kennt nicht die Angst vor dem Sekundenschlaf, das plötzlich auftretende Bedürfnis, eine Pause zu machen, zu entspannen um dann ausgeruht und erholt, seine Weiterfahrt fortsetzen zu können?

Und obwohl diese wichtigen Verkehrsanlagen eine so hohe Bedeutung für die Leistungsfähigkeit und die Sicherheit der Straßen leisten, nehmen Sie in der Wahrnehmung einen eher geringeren Stellenwert ein. Sicher – es ist nachvollziehbar, dass die Straße selbst erst einmal funktionieren muss, eh eine Rastanlage benötigt wird. Aber diese Elemente unserer Infrastruktur lediglich als „schmückendes Beiwerk“ zu betrachten, verfehlt ihre wahre Bedeutung.

Foto: Thomas Mattuschka

Historisch betrachtet gehörte das Verweilen von Anbeginn zur Straße hinzu. In seiner Ausgabe 49/2002 schreibt „DER SPIEGEL“: „Römische Staatsbeamte und Offiziere nutzten bei ihren Reisen über Land offenbar gern die Annehmlichkeiten von Nobelherbergen, die entlang den befestigten Straßen oder an wichtigen Knotenpunkten standen. Eine solche antike Edel-Raststätte aus den ersten Jahrhunderten nach Christus haben die Bochumer Archäologen Andrea Büsing-Kolbe und Hermann Büsing in der östlichen Po-Ebene zwischen den Ortschaften Ficarolo und Gaiba ausgegraben. Unter einer etwa 50 Zentimeter dicken Erdschicht fanden sie die Überreste zweier symmetrischer Gebäudeflügel, die von einem offenen Hof mit gemauertem Altar getrennt waren. In einigem Abstand östlich davon befand sich eine Scheune, in der die Fernreisenden vermutlich Wagen und Pferde unterbringen konnten. Für die Nutzung des über 80 Meter langen Komplexes als Nobelhotel sprechen zahlreiche Fundstücke wie hochwertiges Tafelgeschirr, syrisches und ägyptisches Glas, Amphorenreste oder keltische Emailarbeiten aus Britannien. Eine Art Schönheitssalon in der antiken Anlage lässt vermuten, dass die Landherberge auch von weiblichen Reisenden genutzt wurde - oder aber von Liebesdienerinnen, die den männlichen Wagenlenkern die Nächte versüßten.“

Auch in den Anfängen des Autobahnbaus spielte das Verweilen eine große Rolle. Zwar waren die damaligen Anforderungen an die Auswahl der Standorte, die Lage an der Autobahn und die Gestaltung grundsätzlich andere, als heute – aber ihnen wurde schon damals sehr viel Aufmerksamkeit und Ideenreichtum gewidmet, um das Verweilen zu einem erholsamen Erlebnis werden zu lassen.

Damals besaß das Erleben der Schönheit der Landschaft und des Bauwerkes „Autobahn“ einen besonderen Stellenwert und führte dazu, dass Rastanlagen in besonders reizvoller landschaftlicher Umgebung oder beispielsweise in der Nähe imposanter Brückenbauwerke angelegt wurden. Heute spielen neben den rein funktionalen Anforderungen an die Gestaltung der Rastanlagen vor allem Fragen der Umwelt- und Umfeldverträglichkeit sowie die Verkehrssicherheit die entscheidende  Rolle, wenn es darum geht, einen geeigneten Standort zu finden.

Die Beantwortung dieser Fragen hat den historischen Ansatz inzwischen so weit in Vergessenheit bringen lassen, dass baukulturelle und ästhetische Anforderungen kaum noch Berücksichtigung finden. Dabei spielt die Akzeptanz einer Rastanlage für ihre Funktion – dem Verkehrsteilnehmer Erholung, Regeneration, Konditionierung zu ermöglichen – eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Sicher, einen direkten Zusammenhang zwischen gestalterischer Schönheit und Zweckmäßigkeit der jeweiligen Rastanlage und der Anzahl und Häufigkeit von Unfällen, die auf Übermüdung und Überforderung zurück zu führen sind, lässt sich nur schwer herstellen. Aber dennoch liegt dieser Zusammenhang auf der Hand.

Wie wichtig die Rastanlagen an den Autobahnen prinzipiell sind, hat der Gesetzgeber im Bundesfernstraßengesetz deutlich gemacht, indem er diese rechtlich zum Bestandteil der Autobahn gemacht und weiter bestimmt, dass bewirtschaftete Rastanlagen zu den Autobahnen gehören, um den Belangen der Verkehrsteilnehmer  gerecht zu werden. In seinem Richtlinienwerk schreibt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vor, alle 50 bis 60 km bewirtschaftete Rastanlagen einzurichten und betreiben zu lassen. Diese Regelabstände stellen sicher, dass der Verkehrsteilnehmer in der Regel erwarten kann und sich auch darauf einstellt, dass er in einem gewohnten Zeit- und Entfernungsraster bewirtschaftete Rastanlagen, d. h. Rasthäuser und Tankstellen vorfindet. Darauf stellt er sich – aufgrund der inzwischen erreichten Versorgungsdichte – auch ein und verlässt sich darauf.

In einem Raststätten-Test (08/2011) hat sich der ADAC insgesamt 25 solcher Tank- und Rastanlagen näher angeschaut und bewertet (www.adac.de/test). Unter den bewerteten Rastanlagen befanden sich 2 Anlagen im Land Brandenburg. Im Ergebnis des Tests belegten diese beiden Rastanlagen die Plätze 4 (Buckowsee-West an der A 11) und 8 (Freienhufener Eck- West an der A 13). Dieses Ergebnis ist für uns Anlass, diese beiden Verkehrsanlagen einmal näher vorzustellen.

(Thomas Kuss)

Die Rastanlagenkonzeption im Land Brandenburg

Die brandenburgischen Autobahnen werden laufend den Erfordernissen entsprechend instand gesetzt bzw. modernisiert. Um bei größeren Ausbaumaßnahmen von Streckenabschnitten beurteilen zu können, ob dabei auch an die Erweiterung oder den Neubau von Rastanlagen gedacht werden muss, ist die Aufstellung und Fortschreibung einer entsprechenden Rastanlagen-Konzeption erforderlich. weiter

Tank- und Rastanlage Buckowsee-West an der A 11

Die Rastanlage Buckowsee-West belegte im ADAC-Raststätten-Test 2011 den 4. von insgesamt 25 getesteten Autobahnraststätten bundesweit. weiter

Tank- und Rastanlage Freienhufener Eck-West an der A 13

Foto: Thomas Mattuschka
Die Tank- und Rastanlagen „Freienhufener Eck“ haben eine bewegte Geschichte hinter sich und zählen heute zu den zehn besten Rastanlagen Deutschlands. weiter

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